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Lexikoneinträge für den Buchstaben I
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Influenza
Influenza (echte Grippe) Erreger: Influenzaviren A,B und C (letztere von geringer klinischer Bedeutung). Influenzaviren, vor allem der Typ A, sind ganz besonders listige Mikroorganismen: Sie sind in der Lage, von Zeit zu Zeit bestimmte Bestandteile der Virushülle, an denen sie normalerweise unser Immunsystem erkennt, zu verändern und damit eine für das Immunsystem neue und unbekannte Gestalt anzunehmen. Diese Hüllbestandteile nennt man Hämagglutinin und Neuraminidase. Es wird daher ein Influenzavirus nicht nur nach dem Serotyp (A,B oder C) beschrieben, sondern auch nach der Art der Hüllbestandteile, also z.B Influenza A (H3N2). Meistens bekommen die Viren dann auch noch klingende Beinamen wie „Hongkong“ oder „Beijing“ nach dem Ort ihres Auftretens. Infektionsquelle: Erregerreservoir ist der Mensch. Allerdings sind gelegentliche „Tierpassagen“ (Schwein, Pferd, Enten) vermutlich für die Entstehung neuer Virus-Subtypen verantwortlich. Übertragung: Tröpfcheninfektion. Ziemlich ansteckend (der sogenannte Kontagionsindex liegt zwischen 15 und 75%, je nach Virusstamm) Inkubationszeit: wenige Stunden bis 3 Tage Krankheitsbild: Häufig verläuft auch die echte Grippe „nur“ wie ein grippaler Infekt (diese werden üblicherweise von sogenannten RS-Viren ausgelöst). Jedoch 30-50% der Betroffenen merken bald, daß dieser grippale Infekt diesmal offensichtlich schwerer ist und die klassischen Verläufe sehen folgendermaßen aus: Rasch einsetzendes Fieber (teilweise bis über 39 Grad), allgemeines Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Gliederschmerzen, Schnupfen, Husten, Halsentzündung und allgemeine (Kreislauf-) Schwäche. Besteht beim Erkrankten eine Vorerkrankung der Atemwege (z.B. Asthma) oder des Herzens oder der Niere, oder handelt es sich ganz einfach um alte Menschen so sind Komplikationen häufig: Schwere Bronchitis, Lungenentzündung, Kreislaufversagen, toxische Schäden am Herzmuskel, oder Herzmuskelentzündung, Rippenfellentzündung, Nierenentzündung, Stirn- und Nebenhöhlenentzündung, Mittelohrentzündung oder sogar eine Gehirnentzündung. Spätfolgen nach solchen Komplikationen sind nicht selten. Todesfälle bei älteren, schon etwas geschwächten Personen sind immer wieder zu beobachten. Diagnose: Erregernachweis aus dem Nasen- oder Rachensekret; eventuell auch durch Blutuntersuchung. Meist wird die Fahndung nach der wirklichen Ursache aber nicht intensiv genug betrieben, wodurch die meisten echten Grippefälle unerkannt bleiben und die eventuell aufgetretene Komplikation dann als Diagnose herausgegeben wird (z.B.“Lungenentzündung“ oder „Herz-Kreislaufversagen“). Behandlung: Es existiert keine Möglichkeit, eine ausgebrochene Influenza ursächlich zu behandeln. Bedeutung und Vorkommen: Die Influenza ist eine der bedeutendsten Infektionskrankheiten überhaupt und hat bereits Millionen Menschen das Leben gekostet. So hat eine Epidemie zu Beginn des letzten Jahrhunderts (gegen Ende des Ersten Weltkrieges) weltweit rund 20 Millionen Tote gefordert. Auch in Österreich beobachten wir fast jedes Jahr in den Wintermonaten eine erhöhte Aktivität des Influenzavirus und als direkte Auswirkung dieser Aktivität entsteht das Phänomen der sogenannten Übersterblichkeit: Im Vergleich zu Jahren ohne Grippeaktivität sterben deutlich mehr Personen, in den letzten Jahren jährlich rund 1000 bis 2000 Menschen mehr als zu erwarten wäre. Bedauerlich ist, daß durch die in Österreich übliche sprachliche Ungenauigkeit die echte Influenza nicht vom grippalen Infekt unterschieden wird und dadurch sicher nur wenige echte Influenzafälle auch als solche erkannt werden. Impfstoffe: Es gibt verschiedene Impfstoffe, die alle Totimpfstoffe sind, jedoch ein wenig unterschiedlich im Aufbau sind: Ganzvirusimpfstoffe: Vorteil: besonders gut immunogen, Nachteil: am ehesten mit Nebenwirkungen verbunden. Spaltvirusimpfstoffe: sind sozusagen die goldene Mitte. Subunitimpfstoffe: sind besonders hochgereinigt und enthalten nur mehr Hämagglutinin und Neuraminidase, sind daher besonders gut verträglich, aber etwas schlechter wirksam. Für welchen der drei Impfstoffarten man sich entscheidet hängt in erster Linie vom Zustand des Impflings ab: Je jünger und gesünder, desto eher die Ganzvirusvakzine, je älter und schwächer, desto eher den Subunitimpfstoff. Die meistverwendeten Impfstoffe sind die Spaltvirusimpfstoffe. Jeder der drei Impfstoffarten enthält zumeist Antigene von 3 verschiedenen Influenzastämmen, in manchen Jahren sogar 4 Stämme. Die jeweils aktuelle Zusammensetzung wird von der Weltgesundheitsorganisation festgelegt, die das ganze Jahr über die Grippeviren auf der ganzen Welt beobachtet und daher sehr genau sagen kann, welcher Stamm die Wanderung nach Europa antreten wird. In den letzten Jahren hat die Prognose der WHO stets die richtigen Stämme für die Impfstoffzusammensetzung getroffen. Impfung: Einzelimpfung Schutzrate: Liegt in einer Größenordnung von 70%, was nicht berauschend ist. Allerdings: wenn jemand regelmäßig jedes Jahr die Impfung über sich ergehen läßt wird die Schutzrate ständig etwas besser. Schutzdauer: 1 Jahr Nebenwirkungen: Gewisse Vorsicht ist bei Patienten mit Hühnereiweißallergie geboten, da der Impfstoff geringe Mengen von Hühnereiweiß enthält. Die Impfreaktionen sind im allgemeinen milde und sind nur lokal an der Stichstelle. Gelegentlich werden auch Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen sowie leichte Temperaturerhöhung für einige wenige Stunden 1-2 Tage nach der Impfung berichtet. Eine Grippe kann man von der Impfung nicht bekommen und eine versehentliche Impfung in die Inkubationszeit spielt keine Rolle und führt nicht zu einem schwereren Krankheitsverlauf. Man kann also noch während einer schon „laufenden“ Epidemie weiterimpfen und soll dies sogar tun! Besondere Hinweise: Besonders Personen über 65 sollten die Grippeimpfung unbedingt durchführen lassen, denn gerade diese Personen sind im Falle der Erkrankung besonders komplikationsgefährdet. Jedoch ist die Impfung auch allen anderen Altersgruppen zu empfehlen, einfach um sich eine wirklich unangenehme Erkrankung mit möglichen Spätfolgen zu ersparen. Derzeit lassen sich in Österreich nur weniger als 10% der Bevölkerung impfen, in Frankreich oder den USA sind es mehr als die Hälfte der Gefährdeten. Kinder sollte man, wenn sie zum ersten Mal geimpft werden, zweimal im Abstand von ca 3-4 Wochen impfen, damit der Immunitätsaufbau besonders solide ist. Es gibt die Möglichkeit, eine medikamentöse Prophylaxe der Grippe durchzuführen: Erkrankt zum Beispiel ein Familienmitglied plötzlich, so würde eine Impfung nicht mehr rechtzeitig wirksam werden. In diesen (seltenen) Fällen kann man eine Prophylaxe mit Amantadin machen. Dies allerdings nur in Absprache mit dem Arzt.
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