Marburg - In den frühen Morgenstunden des 18. Novembers, etwa um 3 Uhr nach unserer Zeit, könnte sich über weiten Teilen Europas ein kosmisches Feuerwerk ereignen: Der Meteoritenschwarm der "Leoniden" erreicht seinen Höhepunkt und könnte einen wahren Sternschnuppenregen auslösen. Weil der von Astronomen bereits fürs vergangene Jahr erwartete "Meteorsturm" damals weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, sehen einige Fachleute auch für dieses Jahr immer noch gute Chancen einer zumindest deutlich erhöhten Sternschnuppenaktivität.
Ob das mögliche Spektakel auch von Deutschland aus beobachtet werden kann, erscheint aufgrund der wolkenreichen Wetterlage allerdings eher fraglich.
Wo der Himmel aufklart, könnten indessen minimal einige Dutzend, im günstigsten Fall sogar mehrere Hundert Sternschnuppen pro Stunde über den Himmel huschen. Das genaue Ausmaß des Meteoritensturms kann freilich nur schlecht vorhergesagt werden, Überraschungen (positiv oder - wie z.B. im letzten Jahr - negativ) sind durchaus möglich! Auslöser des Spektakels ist der Komet "55P/Tempel-Tuttle", der alle 33 Jahre in die Nähe der Erde kommt und im vorletzten Frühjahr seinen sonnennächsten Punkt durchlaufen hat.
Kometen sind - salopp gesagt - "schmutzige Eisberge" mit eingelagerten Gesteins- und Staubpartikeln. Kommt nun ein Komet in Sonnennähe submiliert (verdampf) das Eis, Staubpartikel werden freigesetzt und können einen eindrucksvollen Schweif bilden, wie dies zuletzt sehr schön bei dem Kometen "Hale-Bopp" im Frühjahr 1997 zu beobachten war.
Anschließend verteilen sich diese Partikel auf der Umlaufbahn des Kometen, wobei die räumliche Dichte in Kometennähe am größten ist. Damit erklärt sich auch, daß es nicht in jedem Jahr zu einem auffälligen Meteorschauer kommt, wenn die Erde die Umlaufbahn des Kometen durchquert. Denn nur dann, wenn dieser kurz vorher "frisches" Staubmaterial freigesetzt hat, kann sich die Erde auch als "kosmischer Staubfänger" betätigen. Als sich der Komet 255P/Tempel-Tuttle" das letzte Mal im Jahre 1966 in Erdnähe befand, konnte ein wahrer Meteorsturm mit bis zu 40 Meteoren pro Sekunde beobachtet werden. In den meisten Jahren sind dagegen nur ein paar einzelne Sternschnuppen zu sehen.
Aus historischen Quellen läßt sich dieser, etwa alle 33 Jahre besonders intensive Meteorstrom, übrigens bis zur Zeit um 900 n.Chr. zurückverfolgen. Da sich die Erde während ihres Umlaufs um die Sonne Mitte November auf das Sternbild Löwe - lateinisch "Leo" - zubewegt, scheinen alle Meteore aus diesem Sternbild zu kommen. Daher spricht man bei diesen Meteoren auch von den "Leoniden".
Wenn nun die Erde mit den nur etwa 0,2 bis 2mm dicken Staubpartikeln des Kometen zusammenstößt, verglühen diese in der Atmosphäre, was an der Leuchtspur zu erkennen ist. Es besteht also keine Gefahr für die Menschen unterhalb des schützenden Mantels der Atmosphäre.
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