Wenn aus Null-Grad, Schnee und Wind eine Extremwetterlage wird
DWD sieht Hauptursache der Schäden in der Wetterkombination
Offenbach ? Die außergewöhnlichen Schneemassen von Tief THORSTEN haben in den letzten Tagen in Nordrhein-Westfalen teilweise zu chaotischen Verhältnissen geführt. So fielen beispielsweise im Bergischen Land insgesamt 40 bis 60 cm Schnee. Dies alleine erklärt jedoch nicht die aufgetretenen Schäden an Freileitungen und Strommasten. Nach einer ersten Berechnung der aufgetretenen Schneelasten waren laut Deutschem Wetterdienst (DWD) die Schneefälle zwar ungewöhnlich, lagen aber nicht außerhalb der Normwerte für die Bauwirtschaft. Vielmehr hat die Kombination von mehreren widrigen Wetterbedingungen zu den Schäden geführt.
Maximalwerte für Schneelast nicht überschritten
Der DWD erstellt seit Jahrzehnten Wind-, Schnee- und Eislastgutachten für die deutsche Bauwirtschaft. In den vergangenen Jahren führte der nationale Wetterdienst im Auftrag des Deutschen Institutes für Bautechnik Untersuchungen zur neuen DIN 1055 Schneelast durch. Die für einen Zeitraum von 50 Jahren ermittelten Maximalwerte der Schneelast für das Münsterland liegen bei über 50 kg je Quadratmeter. Am vergangenen Wochenende wurden im Münsterland und im Bergischen Land jedoch nur Schneelasten von etwa 30 bis 50 Kilogramm je Quadratmeter erreicht.
Strommasten fielen Kombination von Schnee und Wind zum Opfer
Außergewöhnlich war erst die Verbindung von Nassschnee, Temperaturen um 0 Grad Celsius und einem Wind der Stärke 8 ? wie er am Freitag Nachmittag im Raum Osnabrück gemessen wurde. Diese Kombination führte zu massivem Schnee- und Eisansatz an Freileitungen und Hochspannungsmasten. Dadurch vervielfachte sich die Oberfläche, auf die der Wind einwirken konnte. So nahm der Winddruck immer mehr zu. Örtlicher Eisabfall an den Leitungen und dadurch entstandene Schwingungen könnten, so der DWD, zu starken asymmetrisch wirkenden Kräften an den Freileitungsmasten und schließlich zu ihrer Zerstörung geführt haben.
Im Flachland Nordrhein-Westfalens traten dabei größere Schäden auf als im Bergischen Land. Der Grund lag nach Angaben des DWD darin, dass der Wassergehalt der Schneedecke im Flachland um etwa 50 Prozent höher lag als im Bergischen Land. Der Schnee war im Flachland also deutlich kompakter bzw. schwerer.
Wetterlagen, die zu einem derartig starken Schnee- und Eisansatz an Freileitungen führen, sind in Deutschland sehr selten. Sie können aber, laut DWD, prinzipiell in jeder Region Deutschlands auftreten.
Am Abend waren im Münsterland wieder über 90.000 Haushalte ohne Strom.
Zu Thema Extremwetter gibt es im Februar 2006 einen für alle Wetterinteressierten öffentlichen Kongress. Weitere Informationen finden Sie hier: Extremwetterkongress