Nordpol – Die Eisbedeckung im Arktisgebiet wird seit 1979 gemessen. In einem Januar wurde seitdem noch nie so eine geringe Eisausdehnung wie im Januar 2012 registriert.
Wasser statt Eis [Bildrechte: shutterstock]
Drei mal Deutschland
Aktuell ist die Eisfläche nach Angaben des US-amerikanischen National Snow and Ice Data Centers mit circa 13 Millionen Quadratkilometern etwa eine Million Quadratkilometer kleiner als im langjährigen Januarmittel von 1979-2000. Dies entspricht umgerechnet ungefähr der dreifachen Größe Deutschlands. Damit ist gleichzeitig das letzte Rekordminimum von 2007 unterboten worden. Selbst die gesamte Westküste von Nowaja Semlja (die Insel liegt zum größten Teil nördlicher als das Nordkap) ist aktuell eisfrei, sodass eine Kreuzfahrt von Island nach Nowaja Semlja auf dem kürzesten Weg durchaus möglich wäre.
Polarwirbelsplit verdrängt Frostluft
Eine Ursache für das zurückgegangene Eis ist der Polarwirbel. Er ist nichts anderes als ein großes Tief, welches mit sehr kalter Luft angefüllt ist. Es bildet sich im polaren Winter in der Arktis als auch in der Antarktis. Normalerweise dreht sich der Polarwirbel in der Nähe der Pole. Diesen Winter hat sich der arktische Polarwirbel jedoch in mehrere kleinere kalte Tiefs aufgeteilt, die aktuell beispielsweise in Nordamerika und in Sibirien für Temperaturen von teils unter minus 30 Grad sorgen. Gleichzeitig ist es in den arktischen Gewässern teilweise zu warm für Eisbildungen. Durch den fehlenden Polarwirbel konnten Drucksysteme aus südlicheren Breiten zeit- und gebietsweise vergleichsweise milde Luftmassen Richtung Nordpolarmeer führen. Da das verbliebene Eis teilweise nicht besonders dick ist, könnte dieser Umstand im Sommer dazu führen, dass die Eisdecke schneller als gewöhnlich schmelzen könnte.
+++ Dieser Artikel wurde erstellt von Daniel Wünsch vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. +++
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