Wie verlässlich ist die "Siebenschläfer-Regel"?
Der 27.Juni - Siebenschläfer
Geschichtlicher Hintergrund
Die Frage aller Fragen: Bekommen wir in diesem Jahr einen schönen Sommer mit Badewetter? Kann uns der Siebenschläfer darüber Aufschluss geben? [Bildrechte: www.rhein-zeitung.de]
Wie viele Bauernregeln geht auch der Siebenschläfertag auf das Kirchenjahr zurück. ("Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt"). Der 27. Juni ist den "heiligen sieben Schläfern" gewidmet. Dabei handelt es sich um sieben Christen, die der römische Kaiser Decius 251 n.Chr. verfolgte und in eine Höhle bei Ephesus einmauern ließ. Nach der Legende erwachten sie am 27. Juni 446 nach fast zwei Jahrhunderten Schlaf und konnten, da die Zeit der Christenverfolgung vorbei war, ihren Glauben verkünden. Aber Achtung: Wegen der Gregorianischen Kalenderreform im Jahre 1582, bei der auf dem 4. gleich der 15. Oktober folgte, liegt der eigentliche Siebenschläfertag nicht am 27. Juni, sondern um den 7. Juli herum.
Meteorologischer Hintergrund
Die Siebenschläfer-Regel trifft deshalb häufig zu, weil sich Ende Juni/Anfang Juli der Verlauf des Jetstreams festlegt. Der Jetstream ist ein Höhenwind, der in ca. 10 km Höhe über dem Atlantik und Europa von Westen nach Osten weht. Dem Verlauf des Jetstream folgen die Tiefdruckgebiete, die vom Atlantik her Regenwetter nach Europa bringen. Wenn der Jetstream weit im Norden liegt, werden die Tiefdruckgebiete nach Nordeuropa abgelenkt. Wir in Deutschland kommen in den Genuss des Azorenhochs und das bedeutet warmes Sommerwetter. Liegt der Jetstream wie im letzten Jahr weiter im Süden, dann gehen über Deutschland auch im Sommer die Ausläufer des Islandtiefs hinweg, der Sommer wird verregnet und kühl.
Kein einzelner Tag entscheidet
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass man nicht nur das Wetter bzw. die Großwetterlage an einem einzigen Tag betrachten darf, sondern über einen längeren Zeitraum von etwa 10 bis 14 Tagen. Schwerpunktmäßig schaut man sich die Entwicklung der ersten Julidekade an. In dieser Zeit, so die Beobachtungen, hat die Atmosphäre eine recht hohe Erhaltungsneigung. Hat sich also z.B. der subtropische Hochdruckgürtel bis nach Mitteleuropa verlagert, könnte das Azorenhoch das Wetter in den Folgewochen bestimmen. Liegen wir hingegen dicht an der subpolaren Tiefdruckrinne, könnte sich eine eher wechselhafte und kühle Witterungsperiode einstellen.
Eintreffwahrscheinlichkeit
Bei der Eintreffwahrscheinlichkeit ist zunächst neben dem Datum auch die Zahl "Sieben" von Bedeutung. Sie ist mythologisch geprägt, d.h. sie ist in diesem Fall nicht wörtlich zu nehmen, sondern steht sinnbildlich für einen längeren Zeitraum (es könnte also auch 8 oder nur 6 Wochen dauern). Unter all diesen Bedingungen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Regel zutrifft, dann auch noch Regional unterschiedlich. Aber es gibt sie und sie nimmt von Nord nach Süd zu: Während es in Hamburg nur 55 Prozent sind, hat Berlin eine Trefferquote von 68 Prozent und in München sind es sogar rund 80 Prozent. Wer also im Süden des Landes lebt, kann sich auf den Siebenschläfer (Anfang JULI wohlgemerkt) einigermaßen verlassen.
Wie wird das Wetter in diesem Jahr zum Siebenschläfer?
Bis einschließlich Dienstag hält die momentan vorherrschende nasskühle Nordwestlage noch an, im weiteren Verlauf wird das Wetter in Deutschland wieder zunehmend von südwestlichen Winden geprägt sein. Dies bedeutet für weite Landesteile überwiegend wechselhaftes, zwischenzeitlich aber auch immer wieder sehr warmes Wetter mit dem Potential für Schwergewitterlagen. Tendenziell ist es dabei in der Südosthälfte mit Temperaturen, die ab Freitag auf über 30 Grad steigen, heißer als im Nordwesten, wo die Werte etwas niedriger liegen. Ein Hochdruckgebiet wird sich jedoch voraussichtlich zunächst nicht über Mitteleuropa einnisten – doch bleibt bis zum „eigentlichen“ Siebenschläfer um den 7.Juli schließlich auch noch etwas Zeit.
+++ Dieser Artikel wurde erstellt von Malte Eggers vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. +++