Bergsteiger-Paar am Mont Blanc tot geborgen
Die meteorologischen Hintergründe zur Tragödie
Hamburg – Seit dem 3. November 2011 saß das Bergsteiger-Paar in 4000 Metern auf dem Mont Blanc fest. Am Mittwoch sind der 47-Jährige und die 44-Jährige tot geborgen worden. Beide galten als erfahrene Alpinisten, Rettungsversuche scheiterten bis zum Schluss immer wieder aufgrund von Nebel und starkem Wind. Was bleibt, ist die Frage, wie erfahrene Bergsteiger in eine solche Lage geraten können.
Der Mont Blanc, der „weiße Berg“ - das französische Bergsteiger-Paar konnte dort nur noch tot geborgen werden. [Bildrechte: Alexandre Buisse (Nattfodd)]
Wetterberatung gehört zur obersten Sicherheit
Wer einen Achttausender im Himalaya besteigt, dem ist im Allgemeinen bekannt, dass sich dort das Wetter sehr rasch ändern kann. Wird zudem noch der Zeitraum berücksichtigt, in dem beispielswiese der Mount Everest bestiegen werden soll, ist schnell klar, dass für den gesamten Zeitraum eine Wetterberater benötigt wird. Tatsächlich ist bei solch einer Besteigung das Basisteam, also das Team, das sich um die organisatorischen Dinge kümmert, ständig mit einem oder mehreren Wetterdiensten im Kontakt.
Temperaturunterschiede in der Mittelmeerregion beeinflussen Wetter auf dem Mont Blanc
Jedes Jahr steigen Tausende Bergsteiger auf den Mont Blanc, meist in einer fest vorgegebenen Route, die infrastrukturell ausgebaut ist. Das Bergsteiger-Paar wählte eine etwas andere Route zum Gipfel des Mont Blanc-Massivs. Zwei Probleme trafen dabei zusammen: Zum einen die Jahreszeit und zum anderen die meteorologischen Gegebenheiten. Im November stellt sich in Europa das Wetter allmählich auf den Winter um. Dabei kommt es besonders in der Mittelmeerregion zu großen Temperaturunterschieden zwischen dem Meerwasser und der einfließenden Höhenluft. Am derzeitigen Beispiel waren die Unterschiede um 40 Grad. Höhenkaltluft (-20 Grad) und warmes Mittelmeer (+20 Grad) standen sich gegenüber. Das bedeutet, dass die Temperaturunterschiede zeitweise so groß sind, dass sich ein eigenständiges Tiefdruckgebiet bilden kann – das Mittelmeertief.
Wetterlage war absehbar
Schon zu Beginn ihrer Expedition waren die Wetterbedingungen für die Bergsteiger äußerst ungünstig. Ende Oktober befand sich ein massives Tiefdruckgebiet über dem Atlantik und an dessen Vorderseite wurden bereits mit einer stürmischen, südlichen Höhenströmung labile und sehr feuchte Luftmassen gegen das Zentralmassiv geführt. Abzusehen waren in weiterer Folge kräftige Niederschläge und stürmische Windverhältnisse. Besonders in Höhenlagen um 4000 Meter, in denen sich die beiden befanden, wird es dann sehr rasch unwirtlich und es muss mit gefährlichen Wetterbedingungen gerechnet werden. Dazu zählen dichter Nebel, Sturm, starker Schneefall und Sichtweiten unter 30 Metern. Diese für Bergsteiger gefährlichen Verhältnisse hielten bis Anfang November an und verschlechterten sich weiter. Diese Wetterbedingungen machten sowohl einen Weiteraufstieg als auch eine Umkehr unmöglich.
Schneehöhle als Rettung?
Rettungsaktionen schlugen durch dichten Nebel und starke Winde fehl. Die einzige Rettung, so schien es, wäre der Bau einer Schneehöhle, um sich vor der massiven Kälte von minus 20 Grad zu schützen. In solch einem Schutz ist es durchaus möglich, mehrere Tage bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zu überleben. Schon in den 1970er Jahren wurde ein Bergsteiger im Zentralmassiv vom umschlagenden Wetter überrascht. Dabei hatte sich dieser in einer Schneehöhle verschanzt und konnte so den frostigen Temperaturen über zehn Tage trotzen, bis er lebend gerettet wurde. Für das französische Bergsteiger-Paar schlug auch dieser Rettungsversuch offensichtlich fehl. Nach Angaben der italienischen Bergwacht konnten beide am Mittwoch nur noch tot geborgen werden.
+++ Dieser Artikel wurde erstellt von Kent Heinemann vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. +++