Wenn Niederschlag gefährlich werden kann
„Ich glaub es hagelt“
Hamburg – Eine der faszinierendsten, aber zugleich auch gefährlichsten Formen von Niederschlag in der Meteorologie ist der Hagel. Laut Definition handelt es sich dabei um festen Niederschlag in Form von Eiskörnen oder -brocken von mindestens fünf Millimetern Durchmesser. Erreichen Hagelkörner eine bestimmte Größe, sind sie in der Lage immense Schäden zu verursachen.
Hagelkörner können enorme Größen annehmen [Bildrechte: twitpic.com]
Rezept: Wasser, Eis und Wind
Hagel entsteht ausnahmslos dort, wo Vereisungsprozesse und relativ starke Aufwinde stattfinden, nämlich in großen Cumulonimbus- bzw. Gewitterwolken. Zunächst gefriert unterkühltes Wasser an Kristallisationskernen zu Eis. Allerdings sollte die Anzahl der Kerne nicht besonders hoch sein, damit die Wassermenge, die für jeden vorhandenen Kern zur Verfügung steht, ausreicht um schnelles Wachstum zu begünstigen. Da die Eiskerne stetig an Masse gewinnen, ist nun ein Prozess nötig, um die wachsenden Partikel möglichst lang in der Wolke zu halten. Da kommen die in Gewitterwolken häufig auftretenden starken Aufwinde gerade richtig. Diese sind nicht überall in der Wolke gleich stark, so dass Hagelkörner regelrecht eine Art Kreislauf erfahren können: Durch Aufwind steigen sie nach oben, fallen dann herab, um neue Feuchtigkeit aufzunehmen, werden dann erneut nach oben getragen und so weiter. Ist ein Hagelkorn zu schwer, wird dieser Prozess durchbrochen und es fällt aus der Wolke zu Boden. Insofern lassen sich anhand der Hagelgröße Rückschlüsse auf die Windgeschwindigkeiten innerhalb von Gewitterwolken ziehen.
Wetterereignisse und -rekorde durch Hagel
Hagelschauer können beträchtliche Schäden verursachen. Eines der bekanntesten Ereignisse der letzten Jahrzehnte ist sicherlich das Hagelunwetter von München im Sommer 1984. Ausgangspunkt war ein schweres Gewitter über Bayern, das ausgerechnet der Landeshauptstadt München großen Hagelschlag mit Körnen von bis zu neun Zentimetern Durchmesser brachte. Neben etwa 400 Verletzten waren über 200.000 Autos und bis zu 70.000 Gebäude beschädigt. Aufgrund solcher beträchtlicher Ausmaße durch Hagel wird seit langem auf dem Gebiet einer möglichen Hagelabwehr geforscht. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts werden Raketen mit Silberjodid in Gewitterwolken geschossen, um eine mögliche Bildung von Hagel zu unterbinden. Mögliche Erfolge solcher Verfahren lassen sich aber nur schwierig nachvollziehen.
+++ Dieser Artikel wurde erstellt von Oliver Weiner vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. +++