Wo wird es wann besonders kalt?
Klare Nächte – unklare Temperaturen
Hamburg – In klaren Nächten können die Temperaturen auf engem Raum stark abweichen. Dies macht auch für die Meteorologen eine Temperaturvorhersage schwieriger.
Bei klaren Nächten sind ab und zu auch mal Sternschnuppen zu sehen - die Jacke sollte dabei aber nicht vergessen werden. [Bildrechte: NASA]
Wo sind klare Nächte am kältesten?
Nachts, wenn die Sonne nicht scheint, geben Böden und Gebäudewände gespeicherte Wärme an ihre Umgebung ab. Je mehr Wolken am Himmel sind, desto mehr Wärme kann dabei in das Weltall ausstrahlen und desto mehr kühlt sich der Boden ab. In den langen Winternächten ist die Ausstrahlung besonders groß. In der Stadt allerdings, wo Asphalt und Gebäude tagsüber viel Wärme speichern, kühlen die Nächte nicht so stark aus, wie im Freiland. Dieser Effekt ist auch in den anderen Jahreszeiten ausgeprägt. Besonders kalt wird es hingegen in Mulden und Tälern. Die kalte Luft „fließt“ dort zusammen und es bilden sich Kaltluftseen. Oft werden diese durch Nebelbildung sichtbar. Für klare Nächte gilt zusätzlich, dass die tiefsten Temperaturen direkt am Erdboden gemessen werden.
Vorhersage ist schwierig
Die großen Temperaturunterschiede auf kleinen Räumen machen die Vorhersage der nächtlichen Tiefsttemperaturen bei klaren Nächten kompliziert. Besonders diese Temperaturunterschiede verständlich und kompakt an die Zuschauer oder Zuhörer einer Wettervorhersage zu bringen, gestaltet sich gelegentlich als schwierig. Oft herrschen schon vom Feld vorm Ort bis kurz hinter die Ortseinfahrt Temperaturunterschiede von mehreren Grad. Die Meteorologen geben in solchen Situationen eine größere Spanne für die Tiefsttemperatur an, was oft als ungenaue Vorhersage verstanden wird.
Welche Rolle spielt der Wind?
Der Wind spielt auch in klaren Nächten eine wesentliche Rolle. Weht der Wind stärker, so wird die Luft besser durchmischt und die Kälte direkt am Boden, sowie Kälteansammlungen werden wegtransportiert. Zudem wird immer wieder wärmere Luft von Windböen aus höheren Luftschichten zum Boden transportiert. An der Küste ist neben der Windstärke die Windrichtung entscheidend. Weht der Wind vom Meer aufs Land, so hat die bodennahe Luft annähernd die Temperatur der Meeresoberfläche. Besonders in den Herbst- und Wintermonaten bedeutet dies, das klare Nächte deutlich wärmer bleiben als im Binnenland. Weht zur selben Jahreszeit der Wind vom Land auf das Meer, wird bodennah kalte Luft aus dem Binnenland herangeweht, so dass es an den Küsten ähnliche Tiefstwerte gibt, wie im Binnenland. In lauen Sommernächten sind die Verhältnisse durch die kühlere Meeresoberfläche meist umgekehrt.
+++ Dieser Artikel wurde erstellt von Sascha Ackenhausen vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. +++