Ökosysteme in Gefahr
Klimawandel: Weltweites Risiko für Tiere und Pflanzen
Potsdam - Der Klimawandel birgt ein Risiko für Ökosysteme auf allen Kontinenten. Wie groß die Gefahr für Tiere und Pflanzen ist, haben Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) jetzt weltweit ermittelt.
Besonders gefährdet sind Ökosysteme im Randbereich von Klimazonen. [Bildrechte: www.wolkenatlas.de]
Neuartige Analyse
Für die Analyse haben die Experten erstmals ein konkretes Maß entwickelt, das bei Veränderungen des CO2-Gehalts der Luft sowie der Temperatur und des Regens die Auswirkungen auf die Landökosysteme systematisch erfasst. So könnte die Erderwärmung zu einer Ausdehnung der kasachischen Steppe führen, aber auch Wald in der bislang baumlosen Tundra wachsen lassen, wie Computersimulationen zeigen. Steigt die Mitteltemperatur statt um zwei Grad um drei Grad oder mehr, können sich die Folgen in vielen Regionen drastisch verschärfen. „Wir wollten umfassend wissen, welche Erwärmung welche Lebensräume unter Druck setzt. Verändert sich hier etwas, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch die betroffenen Ökosysteme sich in ihrer Gesamtheit ändern“, erklärt Ursula Heyder, Leitautorin der Studie. „Da wir diese ganze Komplexität im Computer aber nicht abbilden können, berechnen wir das Risiko für solche Veränderungen unter Berücksichtigung der für Ökosysteme bedeutsamsten Prozesse.“
Übergänge zwischen den Klimazonen am gefährdetsten
Die Natur reagiert in kalten Lebensräumen bereits auf eine Erwärmung um nur zwei Grad – dieser Wert gilt als durchaus ambitioniertes Klimaschutzziel. Bei Ökosystemen in den gemäßigten Breiten macht es einen erheblichen Unterschied, ob die Temperaturen um zwei Grad steigen oder um drei und mehr. So wären die Veränderungen wohl in den Wäldern am Übergang von der kühlen Klimazone im kontinentalen Innern Asiens und Amerikas zu den gemäßigten Breiten am größten. Gefährdet sind auch die für das Weltklima bedeutsamen Urwälder am Amazonas wegen der möglichen Verschiebungen ihres Wasser- und Kohlenstoffhaushalts.
Wandel der Ökosysteme ist grundlegend
„Die Natur passt sich an ein verändertes Klima durch Verschiebungen in den Ökosystemen an“, betont Wolfgang Lucht, Ko-Autor der Studie und Leiter des PIK-Forschungsbereichs Klimawirkung und Vulnerabilität. „Während aber der Mensch versuchen kann, seine Gesellschaft an den Klimawandel anzupassen, können Ökosysteme dies nicht – ihr Wandel ist grundlegend“, erklärt Lucht. „Einige verschwinden einfach und werden durch andere ersetzt.“ Manche verlagern sich nach Norden oder Süden und das vielfach zu schnell, die Folgen sind schwer überschaubar. Lucht betont, dass die Ökosysteme ein wertvolles Gut seien.
Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
+++ Dieser Artikel wurde erstellt von Sascha Ackenhausen vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. +++