Wie wird der kommende Winter in Deutschland?
Langzeitprognosen und ihre Tücken
Hamburg - Immer wieder werden in den Medien Langfristprognosen veröffentlich - im September geht es bereits um das Wetter im Januar oder Februar, im Oktober um die weiße Weihnachtswahrscheinlichkeit und im März dann schon wieder um den Sommer. Das Institut für Wetter- und Klimakommunikation beantworte die wichtigsten Fragen zum Thema Langfristprognosen und ihre Zuverlässigkeit.
Wie wird der kommende Winter? - Langzeitprognosen bieten keine zuverlässigen Werte. [Bildrechte: IWK]
1. Wie wird der Winter in Deutschland?
Dazu gibt es keine verlässlichen Aussagen. Kein Modell ist heute in der Lage, das Wetter wochen- oder gar tagegenau für einen Zeitraum in vier Monaten auch nur annähernd zuverlässig zu ermitteln. Die Auswertung der Sommerprognosen hat dies bestätigt. Auf dem letzten ExtremWetterKongress haben sich mit der „Hamburger Erklärung“ rund 150 Wissenschaftler und Experten von den Aussagen einzelner Langzeitpropheten distanziert. Aus Sicht des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation (IWK) dient die Herausgabe von Langzeitprognosen mit Tagesgenauigkeit nur der Werbung für das herausgebende Unternehmen. Einen nutzbaren Wert haben diese Prognosen nicht. Mehr als vage Trendaussagen sind heutzutage wissenschaftlich nicht möglich.
2. Wie werden Langfristprognosen erstellt?
Die führenden Langfristmodelle des Deutschen Wetterdienstes, des Amerikanischen oder auch des Britischen Wetterdienstes arbeiten nach folgendem Prinzip: Verkürzt gesagt wird die Wetterlage für die kommenden Monate weiter gerechnet. Nachfolgend wird die Wetterlage mit kleinen Änderungen in der Ausgangssituation erneut vorausberechnet. Dies geschieht mit zahlreichen weiteren sogenannten Modellläufen und einem gewaltigen Rechenaufwand. Im Ergebnis kann dann gezählt werden, wie viele Modellläufe zu warme Temperaturen erwarten lassen, wie viele im Mittel liegen und wie viele zu kalt sein würden. Mit diesem Ergebnis bekommen wir heute nur ein schwaches Indiz dafür, wie zum Beispiel der kommende Januar werden kann.
3. Welche aktuellen Ergebnisse gibt es zum Winter und wie sind diese zu nutzen?
Das amerikanische Langfristmodell kommt aktuell zu dem Ergebnis, dass der Januar in Mitteleuropa im Mittel der Temperatur völlig normal und in Deutschland eher etwas feuchter ausfallen könnte. Detailinformationen der aktuell berechneten Monate finden Sie hier. Berechnet wurden hier die erwarteten Abweichungen vom Mittelwert des jeweiligen Monats. Doch so ein Wert kann auf völlig unterschiedlichen Wegen erreicht werden. Zum einen könnten alle Tage des Januars bei einer Hochnebellage Werte nahe des normalen Monatsmittel bringen. Es nieselt bei Werten um Null Grad vor sich hin und wir erleben dieses als unangenehmen „Schmuddelwinter“. Eine normale Monatsmitteltemperatur kann aber auch eintreten, wenn die eine Hälfte des Monats extrem kalt und die zweite extrem warm war. Der Eindruck eines solchen Verlaufs wäre ein völlig anderer. Ob der Januar tatsächlich im Mittel normal ausfällt, ist dabei zusätzlich keinesfalls sicher. Das zeigt, dass die Aussagen der Modellergebnisse zwar für uns Meteorologen Gesprächsstoff sein können, jedoch für den Alltag in keiner Weise als Prognose taugen.
4. Wenn wissenschaftlich fundiert nur so wenig über den Winter gesagt werden kann, warum werden dann überhaupt tagesgenaue Jahreszeitenprognosen veröffentlicht?
Diese Frage stellen wir uns auch.
+++ Dieser Artikel wurde erstellt von Janina Fein vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. +++