Schafskälte in Mitteleuropa, Rekordwärme in Grönland
Meteorologischer Sommeranfang - doch wo ist der Sommer?
Hamburg – Während hierzulande pünktlich zum meteorologischen Sommeranfang die jahreszeitentypische Schafskälte Einzug gehalten hat – eine im Juni regelmäßig auftretende Witterungsperiode mit kühlem und wechselhaftem Wetter – werden andernorts in diesen Tagen rekordverdächtig hohe Temperaturen gemessen. Auch an Orten, an denen man es kaum erwarten mag: An einer grönländischen Wetterstation wurde am Dienstag eine Höchsttemperatur von fast 25 Grad erreicht. Ausgesprochen warm ist es derzeit auch in Spanien und in Teilen Russlands.
Diese Grafik zeigt die momentanen Temperaturabweichungen vom langjährigen Mittel in etwa 1500 Metern Höhe. Einem deutlich zu kalten Mitteleuropa stehen positive Abweichungen in Südwesteuropa, Sibirien und Westgrönland gegenüber. [Bildrechte: www.wetterzentrale.de]
Nordströmung in Mitteleuropa
Zwischen einem Tiefdruckgebiet über Skandinavien und einem Hoch über Großbritannien strömt momentan frische Meeresluft aus nordwestlichen Richtungen nach Mitteleuropa. Nach dem freundlichen und sehr warmen Pfingstwochenende sind wir nun pünktlich zum meteorologischem Sommeranfang wieder weit von sommerlichem Wetter entfernt. Vor allem im Norden und Osten Deutschlands erreichen die Temperaturen am Wochenende bei wechselhaftem Schauerwetter kaum 15 Grad. Zwar ist es in der Südwesthälfte deutlich wärmer, doch entwickeln sich hier in der wärmeren Luft vor allem am Sonntag teils kräftige Schauer und Gewitter.
Ungewöhnliche Wärme im Südwesten Grönlands
Doch wo geht der meteorologische Sommeranfang denn tatsächlich auch mit sommerlich anmutendem Wetter einher? Die Antwort lautet überraschenderweise: Im Südwesten Grönlands. An der Station Narssarssuaq überstieg die Temperatur zwischen Montag und Donnerstag vier Tage in Folge die 20-Grad-Marke deutlich. Am Dienstag wurde sogar eine Höchsttemperatur von 24,8 Grad gemessen. So hohe Temperaturen wurden auf Grönland im Monat Mai bislang noch nicht registriert. Die bisher höchste Maitemperatur wurde am 31.05.1991 mit 22,4 Grad in Kangerlussuaq gemessen. Selbst die höchste je gemessene Temperatur auf Grönland (25,5°C am 26.07.1990 in Kangerlussuaq) lag nur knapp über dem Wert vom vergangenen Dienstag. Die außergewöhnlich hohen Temperaturen beschränkten sich jedoch nur auf einen schmalen Küstenstreifen im Südwesten der Insel. Auf der Südseite eines mächtigen Hochdruckgebiets kam es hier in einer starken Ostströmung zu lokalen warmen Fallwinden. Da sich die Wetterlage zunächst kaum ändert, erreichen die Temperaturen auch in den nächsten Tagen bei viel Sonnenschein Werte um 20 Grad.
Hitzewellen auch in Spanien und Sibirien
Deutlich positive Temperaturabweichungen wurden in den letzten Tagen auch in Spanien registriert. Die Temperaturen erreichten in den letzten Tagen verbreitet Werte zwischen 32 und 38 Grad. Zuletzt wurden in Spanien im Jahr 2006 ähnliche Werte im Mai gemessen. Zum Wochenende gehen die Temperaturen hier aber wieder etwas zurück. Auch in Teilen Sibiriens ist es momentan 10 bis 15 Grad wärmer als im langjährigen Mittel. So steigen die Temperaturen in Nowosibirsk in den kommenden Tagen voraussichtlich auf bis zu 33 Grad an. Im Mittel liegen die Höchsttemperaturen im Juni hier bei knapp über 20 Grad.
+++ Dieser Artikel wurde erstellt von Malte Eggers vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. +++