„Wo bleibt der Klimawandel?“
Zu kalt für die Jahreszeit
Hamburg – Eisige Temperaturen von -20 Grad und Schnee - so zeigte sich der Winter in Deutschland in den vergangenen Wochen. Was soll also das Gerede vom Klimawandel und der Erderwärmung? Wir klären auf.
Blaue und violette Farben zeigen zu kalte, gelbe und rote Farben zu warme Temperaturen an. [Bildrechte: www.wettergefahren-fruehwarnung.de]
Mehr Schein als Sein
Tatsächlich war es in der ersten Februarhälfte nahezu in ganz Europa zu kalt für die Jahreszeit. Selbst in Nordafrika waren die Luftmassen um bis zu sechs Grad zu kalt im Vergleich zum 30-jährigen Mittel von 1961-1990. Beim Blick auf die Weltkarte (siehe Grafik) fällt jedoch auf, dass es vielerorts auch deutlich zu warm für die Jahreszeit war. Insbesondere die Gebiete oberhalb vom nördlichen Polarkreis (zum Beispiel Grönland) „schwitzten“ bei Temperaturen, die in 1,5 Kilometer Höhe teils über zwölf Grad positive Abweichung gegenüber dem langjährigen Mittel aufweisen, sodass die Fläche des arktischen Eis deutlich abgenommen hat. Auch in Teilen Afrikas und Asiens sowie in weiten Teilen der Weltmeere war es deutlich zu warm für die Jahreszeit. Trotz des eisigen Witterungsperiode hierzulande gilt daher nicht die Formel: Zu kalt bei uns = überall zu kalt.
Das große Ganze
Seriöse Aussagen zur Erderwärmung können demnach nicht gemacht werden, indem nur der eigene Standort oder selbst nur ein einzelner Kontinent betrachtet wird. Vielmehr werden die Messungen weltumspannend durchgeführt, um die Entwicklung der global gemittelten Temperatur korrekt analysieren zu können. Auch in Deutschland ist es im Jahresmittel bereits wärmer geworden. So gehört beispielsweise das Jahr 2011 zu den fünf wärmsten seit 1881.
Auf die Wetterlage kommt’s an
Trotz global ansteigender Temperaturen wird es weiterhin winterliche Witterungsperioden bei uns geben. Entscheidend dafür ist die Wetterlage: Beim Anzapfen von Luftmassen arktischen Ursprungs sollten wir uns auch zukünftig warm anziehen. Allerdings führt der allgemeine Erwärmungstrend dazu, dass beim Auftreten bestimmter Wetterlagen, die vor 30 Jahren noch Schnee mitgebracht haben, heutzutage eher Regen in Begleitung von positiven Temperaturen zu erwarten ist.
+++ Dieser Artikel wurde erstellt von Daniel Wünsch vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. +++